Beispiele

Zur Erläuterung haben wir einige mehr oder weniger typische Beratungsverläufe aufgeführt

Erwachsener mit einer persönlichen Anfrage

Herr M.
Herr M. hat in letzter Zeit immer größere Schwierigkeiten, morgens aus dem Bett zu kommen. Er geht kaum noch ans Telefon, liegt häufig auf dem Sofa und starrt an die Decke. Auf der Arbeit kann er sich nicht konzentrieren, er ist müde und hat Kopfschmerzen, nachts schläft er trotz Schlafmitteln schlecht. Aufgaben, die ihm früher leicht von der Hand gingen, scheinen unüberwindbar. Der Kontakt zu anderen Menschen und seine bisherigen Hobbys werden ihm zu anstrengend.

Herr M. wurde von seiner Hausärztin an das SPZ überwiesen. Beim dritten Anlauf gelang es ihm, in die Sprechstunde zu kommen und seine Depression zu beschreiben. Dabei kamen auch verschiedene Enttäuschungen zur Sprache, die ihn zunehmend „müde“ machen: verpasste Chancen in Beruf und Partnerschaft, alte Schuldgefühle, ungerechte Behandlung im Bekanntenkreis, Einsamkeit. Besorgt stellt er fest, dass manche Ängste in letzter Zeit stärker geworden sind, z.B. beim Autofahren.

Nach dem Erstgespräch bot das Team des SPZ Herrn M. Termine beim Psychiater und regelmäßige Therapiegespräche an:

Bei den Arztterminen erklärt der Psychiater Herrn M. die Wirkungsweise von Antidepressiva als „Anschub für Körper und Seele“, der einige Wochen Zeit braucht, um zu wirken, dann aber den Schlaf besser reguliert als die bisherigen Schlafmittel. Sie besprechen auch die möglichen Nebenwirkungen und einigen sich darauf, einen Versuch zu starten.

In den Therapiegesprächen setzt Herr M. sich mit der Hilfe des Therapeuten mit den alten und neuen Verletzungen auseinander, die sich im Laufe seines Lebens angesammelt haben. Einige Wochen lang sieht alles noch schwärzer aus, alte Verletzungen aus seiner Jugend drängen sich wieder auf. Das setzt Emotionen frei: Trauer, Enttäuschung, Hilflosigkeit, aber auch eine unbändige Wut, die lange verdrängt war. Dabei erkennt er auch nach und nach, welche Hürden er in seinem Leben schon gemeistert hat, welche Erfahrungswerte in ihm schlummern, welche Erinnerungen ihn jenseits der Trauer mit Dankbarkeit erfüllen. Er erkennt auch, welche Menschen ihm guttun und welche ihn ausnutzen, welche Beschäftigungen ihn aufbauen und welche ihn entmutigen.

In den Gesprächen beschließt er, kleine Schritte in neue Richtungen zu wagen: Kontakte zu meiden, die ihn belasten, unsinnige Pflichten abzustellen und kleine angenehme Dinge zu tun, die er schon immer tun wollte. In kleinen Schritten findet er sein Selbstvertrauen zurück, erobert er sich Stück für Stück seine Lebensfreude zurück, nimmt er vorsichtig wieder Kontakt zu Menschen auf, die ihm guttun. Er ist nicht mehr der geworden, der er vorher war: Er hat einen Weg zurückgelegt, der schmerzhaft war, das hat ihn nachdenklicher gemacht, aber auch dankbarer… und achtsamer im Umgang mit sich selbst und seinen Bedürfnissen.

Anfrage aus dem Familienbereich

Jan
Frau N. erscheint mit ihrem achtjährigen Sohn Jan zum Erstgespräch im SPZ. Sie beschreibt ihn als einen sehr freundlichen, gut gelaunten und pflegeleichten Jungen. In den letzten Monaten habe er sich jedoch verändert. Vor allem die „Zubettgehsituation“ stellt laut Frau N. ein Problem dar. Jan könne abends nicht mehr alleine in seinem Zimmer schlafen und klage über Albträume. Da kein Abendritual das Problem gelöst habe, erlaube Frau N. Jan nun seit einigen Wochen in ihrem Bett zu schlafen und bleibe bei ihm, bis er eingeschlafen sei. Darüber hinaus sei Frau M. aufgefallen, dass Jan in letzter Zeit sehr anhänglich geworden sei und am liebsten ständig in ihrer Nähe bleibe. Jans Vater und sie hätten sich vor 2,5 Jahren getrennt. Seitdem verbringe er jedes zweite Wochenende bei seinem Vater und dessen neuen Partnerin, die vor kurzem bei ihm eingezogen sei. Dort gehe Jan nur noch unter Protest hin und klage schon freitags über Bauchschmerzen.

Jans Klassenlehrerin habe Frau N. neulich darauf hingewiesen, dass seine Leistungen in der Schule abfallen würden. Sie habe den Eindruck, dass er in der Klasse häufig nicht bei der Sache sei. Sein Sozialverhalten falle außerdem negativ auf. Er sei schnell reizbar und gerate andauernd in Streitereien mit Klassenkameraden.

Frau N. glaubt, dass etwas ihren Sohn belaste und fragt sich, wie man ihm helfen könnte. Jan selbst möchte während des Gesprächs nichts sagen und wendet seinen Blick kaum vom Boden des Büros ab. Der Therapeut schlägt vor, sich einige Minuten unter vier Augen mit ihm zu unterhalten. Nun erklärt Jan, dass er nicht zum SPZ kommen wollte. Er habe Angst, dass sein Vater dagegen sei und dass seine Eltern sich erneut streiten könnten.

Vor Abschluss des Erstgesprächs schlägt der Therapeut Jan und seiner Mutter eine Einschätzungsphase vor. Diese diene dazu sich besser kennen zu lernen und die beschriebene Problematik genauer zu beleuchten. Im Anschluss könne bei Bedarf eine Therapie geplant werden. Darüber hinaus erklärt er, dass dazu das Einverständnis beider Elternteile nötig sei und bittet Frau M., sich diesbezüglich mit Jans Vater in Verbindung zu setzen.

Nachdem ebenfalls ein Gespräch mit Jans Vater stattgefunden hat, bei dem dieser seine Sicht der Situation beschrieben und sein Einverständnis gegeben hat, plant der Therapeut drei Einzelgespräche mit Jan.

In den folgenden Treffen unterhält sich der Therapeut mit Jan und schlägt ihm verschiedene spielerische Aktivitäten vor. Nach und nach legt Jan seine ursprünglichen Bedenken ab und lässt sich auf die Gespräche ein. Jan berichtet, dass er mehrmals mitbekommen habe, dass seine Mutter geweint habe. Er glaubt, dass er dafür verantwortlich sei. So fällt dem Therapeut auf, dass Jan viel Energie darauf verwendet, seine Mutter zu schützen und ihr keinen Ärger zu machen. Seine eigenen Sorgen behält er für sich und geht Konflikten mit ihr aus dem Weg. Der Therapeut erkennt ebenfalls das Dilemma, indem sich Jan befindet, wenn er das Wochenende bei seinem Vater verbringen solle. Einerseits wolle er seine Mutter nicht alleine lassen, andererseits habe er jedoch Angst, dass sein Vater das Gefühl haben könnte, dass er ihn nicht mehr möge. Von den Eltern hat der Therapeut außerdem erfahren, wie konfliktgeladen diese Situationen mittlerweile seien, da sie sich gegenseitig dafür verantwortlich machen würden, dass Jan nicht mehr zum Vater gehen wolle.

In einem Bilanzgespräch bespricht der Therapeut diese Themen mit Jans Einverständnis mit seinen Eltern. Er rät regelmäßige Therapiegespräche für Jan und, parallel dazu, Elterngespräche an.

In den darauffolgenden Wochen erarbeiteten der Therapeut und Jan gemeinsam auf spielerische Art und Weise, wie er zwischen „Erwachsenensorgen“ und „Kindersorgen“, sowie zwischen „Erwachsenenaufgaben“ und „Kinderaufgaben“ unterscheiden kann. Der Therapeut erklärt Jan außerdem den Zusammenhang zwischen seinen unterdrückten Gefühlen und seinen Schwierigkeiten in der Schule. Sie entwickeln Möglichkeiten, wie er seine Gefühle erkennen und anders mit ihnen umgehen könne. Außerdem ermutigt der Therapeut Jan seine Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche wieder vermehrt seinen Eltern mitzuteilen.

In den Elterngesprächen geht es vorrangig um die Kommunikation in der Familie. Jans Eltern lernen, welche Themen ihren Sohn überfordern, und die daher ausschließlich zwischen Eltern oder mit anderen erwachsenen Vertrauenspersonen besprochen werden sollten und in welche Diskussionen er miteinbezogen werden sollte. Jans Eltern erkennen, wie unmittelbar ihre eigenen Reaktionen Jans Gefühlswelt und sein Verhalten beeinflussen. Nach und nach schaffen sie es, Jan die emotionale Erlaubnis zu geben, sich beim jeweils anderen Elternteil gut zu fühlen.

Durch die Stärkung seiner eigenen Ressourcen und die Unterstützung seiner Eltern legt Jan seine ursprünglichen Ängste schließlich größtenteils ab, sodass ihm die Abschiede von seiner Mutter bedeutend leichter fallen und er seinen Alltag wieder unbeschwerter erleben kann.

Anfrage aus dem Suchtbereich

Herr P.
Herr P., 23 Jahre alt , konsumiert seit Jahren regelmässig Cannabis. Er möchte den Konsum reduzieren , schafft es aber alleine nicht. Ganz aufhören ist noch keine Option für ihn.

Zu Beginn der Beratung schaut er sich seinen Konsum näher an. Wann , wo , mit wem wird konsumiert ? Wozu braucht er seiner Meinung nach den Konsum? Wir suchen eventuelle Zusammenhänge zwischen Konsum und seiner Lebensgestaltung zu finden. Welche Funktion hat der Konsum in deinem Leben ? Herr P. Versucht kl. Schritte der Veränderung sich vorzunehmen und diese werden dann jeweils im nächsten Gespräch reflektiert. Schritt für Schritt treten Veränderungen ein, die ihn dazu motivieren , den Konsum ganz einzustellen. Er hat alte Interessen wieder gefunden und neue entdeckt.